Wieder einmal ist die Abreise aus Deutschland chaotisch. Mein Flug wird umgeleitet, verspätet sich und ich komme ohne Gepäck in Kanada an. Ich bin zum 100. Geburtstag eingeladen. Für die 100 km von Edmonton entfernt brauchen wir nur zweimal abbiegen. Der Jubilar ist zwar schon verstorben, aber die Feier ist lange geplant und so wird alles ein gemütliches Familientreffen.

Nahezu ganz Alberta ist mit dem Lineal in Quadrate von 1 Meile (1,6 km) eingeteilt. Diese Parzellen wurden günstig an Siedler vergeben um das Land zu bevölkern. Menschen aus allen Ländern strömten um die Jahrhundertwende und in den zwanziger Jahren und nach dem zweiten Weltkrieg hierher. Die Ölförderung ist ein Zusatzverdienst für die Farmer. Sie liegt in den letzten Zügen aber viele Stationen arbeiten noch. Man versucht es mit Wasser in die Bohrlöcher zu bringen um den Rest Öl noch fördern zu können (Fracking).

Barahead hat circa 8000 Einwohner. Diese Stadt gehört zu den normalen Kleinstädten in Kanada, dabei ist sie Sitz des gleichnamigen County. Es ist Nationalfeiertag. Im Biergarten gibt es Dosenbier und wir sind die einzigen Gäste. Auch zum abendlichen Feuerwerk finden sich nicht viele Einwohner ein. Ich bin in Kanada angekommen!

Bei meinem Stadtbummel fällt es mir schwer, Vergleiche zu ziehen. Wir befinden uns zwar noch weit vom Polarkreis, aber klimatisch kann man hier alles mit Karelien oder weiter nördlich vergleichen. Alle Fahrzeuge halten sich an die Höchstgeschwindigkeit, auch wenn die Situation etwas anderes erlauben würde. Die Straßen sind weit, die Grundstücke für die Häuser sind klein. Es gibt auch Wohnungen, aber nicht höher als 3 Etagen. Sauberkeit ist oberstes Gebot. Anders als in Russland sind Kühe im Stadtgebiet nicht sichtbar. Das örtliche Museum bezieht sich auf die Bedeutung der Stadt als Posten der Hudson-Bay-Company. Von den heute lebenden Ureinwohnern/First Nations bilden die Metis (Mestizen) die größte Gruppe der anerkannten indigenen Bevölkerung. Ich komme an 8 Kirchen vorbei.

Wir sind in der Prärie und je weiter südlich nach Calgary wir kommen, desto ebener wird das Land. Wir fahren an einer Klippe vorbei, an der die Ureinwohner Büffel hinuntertrieben. In Fort Macleod studiere ich die Bedeutung der Moutiers bei der Erschließung des Landes. Noch heute genießen sie die volle Hochachtung der gesamten Bevölkerung. Im Waterton Nationalpark wirkt das Hotel „Prince of Wales“ leicht deplatziert. Dafür sehen wir Bären unmittelbar an der Straße. Später, als ich alleine fahre komme ich am Büffel-Freigehege vorbei. Höhepunkt ist jedoch Drumhellar und die Bad Lands. Hier hat man in den Millionen Jahre alten Schichten Dinosaurier gefunden und ein beachtliches Museum gebaut.

Ich weiß nur, dass das Rodeo in Calgary das größte der Welt ist und über mehrere Tage geht. DESWEGEN bin ich hier!

Das Rodeo beginnt traditionell mit einer Parade. Etwa 350000 Zuschauer säumten in diesem Jahr die Straßen. Wir sind bereits 3 Stunden vorher da, denn es gilt die besten Plätze zu ergattern. 105 Bilder wurden gezeigt, 700 Pferde wirkten mit, 11 Show-Bands marschierten auf, 5-8000 Teilnehmer machten diese Parade unvergesslich. Der Tag klingt typisch in einer Biergaststätte aus. Leider gibt es nur 80 verschiedene Sorten Bier.

Traditionell gehört es sich, am Morgen in den Ställen zusammen mit den Reitern ein Pancake-Frühstück einzunehmen. Aber nicht jeder hat das Vergnügen, also finden sich Freiwillige, die für die Teilnehmer aus aller Welt ein solches Frühstück in einem Park oder einer Sporthalle organisieren. Kostenlos, selbstverständlich! Man ist Gastgeber!

Das Rodeo-Gelände ist eine Mischung aus Oktoberfest und Disney-Land. Es gibt auf dem gesamten Gelände maximal 5 Bierstände für 100 000 Besucher. Kurz: kein Alkohol, dafür Volksbelustigung, „Futterstände“, Musikshow, Pferde. Die Preise sind exorbitant (Bier 10 Euro, ein einfacher Burger 15 Euro). Doch das große Rodeo ruft. Es sind alles professionelle Teilnehmer und so sind die Abstände untereinander in den Disziplinen sehr eng. Die Pferde sind überwiegend junge, ausgezeichnet gepflegte Quarterhorses. Was mir am meisten gefallen hat? Broc mit und ohne Sattel natürlich und Pony-Reiten. Dabei müssen 3 vier bis sechsjährige Kinder ein ausbrechendes Pony mit einem Seil bändigen und einer muss es besteigen und reiten. In diesem Durchgang schafft es keiner von den 5 Mannschaften, aber allen macht es sehr viel Spaß.

Nach dem Wagenrennen ist eine kurze Pause. Danach lassen es die Veranstalter richtig krachen. Es gibt eine Show der Superlative. Artistik, Showdance, Schlager, Feuerwerk mit Drohnen, kurzum alles dabei bis zur KI und Virtual Reality.

Mit Joice lerne ich die Umgebung von Edmonton kennen. Raynolds Museum zur Geschichte der Motorisierung; Grundlage für dieses staatliche Museum ist eine private Sammlung. Auf dem Freigelände stehen noch viele Geräte, die auf eine Restaurierung warten. In der Restaurierungsabteilung arbeiten zurzeit 5 Männer (Frauen sind willkommen!) an mehreren Exponaten natürlich ehrenamtlich. Auch das Personal arbeitet, wie in nahezu allen englischsprachigen Ländern üblich, ehrenamtlich. Der Weg wird von der örtlichen Straßenbau Firma kostenlos instandgehalten, genauso wie der Parkplatz

Das Reservat in Maskwacis ist nicht weit. Zumindest in den Grundschulen arbeiten indianische Lehrer. Die öffentlichen Gebäude sind von denen außerhalb des Reservates bezüglich der Sauberkeit nicht zu unterscheiden. Viele von der Regierung gebauten Eigenheime haben eigene Bemalungen. Auf Grund der Spannungen der Menschen im Reservat untereinander wegen der verschiedenen „Anpassungsgrade“ kommt es auch zu mehr Kriminalität und einige Häuser sind stark verriegelt durch zugenagelte Fenster.

Es geht in den Bison-Nationalpark. Das Gebiet umfasst 10 km mal 20 km und es befinden sich hier ca. 800 Bison. Man versucht die Herden auf dieser Größe zu behalten. Das Gebiet ist so angelegt, dass viele Touristen kommen können. Außer den zahlreichen Grillstationen, Zeltplätzen, Badestränden, Kanustationen, Spielplätzen, Wanderpfaden und Informationstafeln gibt es auch ein Theater. Die Bisons befinden sich in diesem Reservat eingezäunt hinter 2 m hohen Zäunen. Dies ist nötig, damit von anderen Tieren keine Krankheiten eingeschleppt werden können. Wir halten uns relativ lange hier auf, bevor wir zum Ukrainischen Dorf fahren. Wie viele andere Nationen auch, so wanderten viele Ukrainer seit Mitte der 1880-iger Jahre nach Kanada aus. Betrieben wird das Museumsdorf von Enthusiasten, die hier tagsüber arbeiten, den Acker mit Pferden pflügen, Kutschfahrten organisieren und in den Häusern den Besuchern alles erklären. Wir essen einen Bortsch, der etwas „amerikanisiert“ wurde und verlassen das Museumsdorf.

Fort Edmonton ist eine Mischung aus Vergnügungspark, Museumsdorf und Eventzentrum. Erstes Ziel ist die Indianergeschichte, denn wir befinden uns im Nordteil der Grand Prärie. Insbesondere die Crow lebten und leben hier, aber auch Siux, Blackfoot und Nakota. Die Metis sind Nachfahren aus Beziehungen zwischen weißen Trappern oder Händlern und den Eingeborenen und stellten bald die Mehrheit dar. Diese Leute wurden von beiden Seiten verstoßen und definieren sich früh als eigener Volksstamm. Interessanterweise haben sie von beiden Kulturen Sachen angenommen und so etwas Eigenes gebildet. Sie waren begehrt bei der Büffel-Jagd als gute Schützen mit furchtlosen Pferden. Wir sehen wie Pemmikan hergestellt wird. Die große Verbreitung der Cree und ihrer Sprache ermöglichte es, dass diese Nahrung überall unter den Jägern als Wegzehrung bekannt war, Obwohl es sicher bei 50 Prozent reinem Fett in der Hitze nicht angenehm schmecken musste.

Der Bruder von Joice wohnt gleich um die Ecke in 30 km Entfernung. Allein schon der erste Eindruck zeigt, dass hier Nachfahren von deutschen Einwanderern wohnen müssen. Alles ist außerordentlich gepflegt, wie eine Puppenstube. Er ist ein Vollbluthandwerker. In der Garage stehen ein Reservetruck, eine Stretchlimousine und mehrere Snowmobile. Hatte ich noch versucht anzugeben, dass ich off-road fahre, so sehe ich mit Erschrecken zwei 500-er Geländemotorräder fahrbereit der Garage stehen.

Es soll 2500 km nach Norden gehen. Paul ist ein wundervoller Reisebegleiter, der diese Tour wahrscheinlich nicht zum ersten Mal macht. Wir kommen mit Land und Leuten bei oft unvermittelten Stopps ins Gespräch. Eine junge Familie, die am Fluss wild campt, ein Metis-Dorf auf dem wir die verlassene Kirche und den Friedhof besuchen, die Gespräche mit den Gastwirten oder den Gästen, der Imbisswagen oder die Tourist-Info am Straßenrand, die Bauarbeiter an den Straßen, die Tramper, die wir mitnehmen: ich lerne Kanada in all seinen Facetten kennen.

Ab Dawson Creek beginnt der Alaska Highway. Der Ort begrüßt uns mit dem größten Festival der Motorfahrzeuge Kanadas, welches an diesem Wochenende stattfindet. In seinem Stadtwappen ist der Pfahl verewigt, der den Beginn dieser 1940 gebauten Straße bis nach Fairbanks in Alaska markiert. Legenden ranken sich um diese 2200 km lange Strecke, die noch vor wenigen Jahren eine reine Schotterpiste war. Bedingt durch das hohe Verkehrsaufkommen ist sie inzwischen durchgängig asphaltiert und trotz gleicher oder widrigerer Wetterbedingungen kostengünstiger als die Transsibirische Eisenbahn. Aber die Romantik ist bei beiden einzigartig! Wir sind die ersten Besucher an diesem Tag im Museum Fort Nelson. Eigentlich ist es ein besserer Schrottplatz für alles aus den letzten 100 Jahren. Die meisten Exponate stammen aus der Zeit, als der Alaska Highway gebaut wurde. Von der Planierraupe bis zum abgestürzten Flugzeug ist alles da. Sogar alte Nachrichtentechnik ist vorhanden, denn jetzt beginnt die menschenleere Wildnis. Die Siedlungen, teilweise bis zu 70 km auseinander, bestehen aus 3-4 Häusern und einer Servicestation. Oft ist nicht einmal eine Tankstelle vorhanden. Alles erinnert ein wenig an Skandinavien. Erholung finden wir auch in einer heißen Quelle, in der wir genüsslich naturverbunden baden.

Kurz nach dem Liard River können wir Bisons in freier Wildbahn sehen. Etwa 35 Tiere lagern am anderen Ufer, das wir von einer kleinen Anhöhe ehrfurchtsvoll beobachten. Als wir uns nach einer geraumen Weile zurückziehen haben einige andere bereits die Anhöhe erklommen und befinden sich nahe unserem Auto. Vorsichtig verlassen wir den Ort.

Eine der urigsten Unterkünfte ist Nugget City, Adresse: Mile 650. Der Besitzer ist ein pensionierter Soldat, der hier 5 Monate im Jahr lebt und das Camp betreibt. Derweil hat seine Tochter die Webseite aufgepimpt. An der Wand hängt eine Liste mit etwa 20 Namen, alles Radfahrer, die in diesem Jahr bereits bei ihm Station gemacht haben. Arbeitskräfte sind rar und so sind inzwischen viele Stationen entlang der Strecke geschlossen.

Bis Whitehorse fahren wir schon einige Kilometer dem Yukon River entlang. Ich bin erstaunt, wie groß er ist. Tausende Goldsucher wurden von hier nach Dawson City befördert oder machten hier auf dem Weg dahin Station. Denn hier zwängt sich der Fluss durch eine Felsspalte und macht ihn so schwierig passierbar für die leichten Kanus. Nach einem kurzen Sightseeing landen wir beim Italiener. Donnerwetter, sogar Tischdecken und eine außerordentlich nette Bedienung! Dann besuchen wir noch eine „indianische Bar“. Die Musik im Hintergrund hatte einen eigenartigen, stampfenden Rhythmus, den ich im Tempo so noch nicht gehört habe. Hochinteressant!

Wir besteigen eine Cessna und fliegen über die Berge der Rocky Mountains zum Angeln an den Wellesley Lake, 200 Meilen Luftlinie in die Wildnis nach NW, 50 km von der nächsten befestigten Straße. Wir angeln 3 Tage lang Hechte und Saiblinge (Lake Trout). Bereits am ersten Tag sind es 6 Hechte und ein Trout in 3 Stunden. Der Weißkopfadler reckt nur verwundert seinen Kopf. Die Blockhütte ist nicht geheizt und es waren 4 Grad in der Nacht. In 150 km Entfernung grüßen die 3-tausender der nördlichen kanadischen Rocky Mountains.

Etwa 50 km vor Dawson folgen wir dem Klondike. Die Straße gleicht jetzt mehr russischen Verhältnissen, denn der Untergrund ist morastig. Etwa 20 km vor der Stadt ist das gesamte Tal einmal durchgewühlt worden. Es sieht aus wie ein Lagerplatz für Schotter oder Steine. Alles ist wegen des eventuell vorhandenen Goldes maschinell durchgesiebt worden. In dieser riesigen Stadt mit 20 000 Einwohnern findet ein dreitägiges Musikfestival statt. Es sind viele Touristen da. Vor jedem Hotel stehen mehrere Motorräder, zumeist aus Amerika. Die Häuser werden direkt auf den Permafrostboden gebaut. Pfahlgründungen sind zu teuer. Nur etwa 2/3 der Bewohner bleiben auch dem Winter über hier. Herbst und Frühling sind kurz und Sommer und Winter sind extrem. Gold wird noch immer in der Gegend gefördert, aber industriell mit Waschanlagen. Unfälle sind nicht zu vermeiden, insbesondere durch Erdrutsche. Waldbrände und Überschwemmungen sind nicht selten. Das Nachtleben im Ort beginnt um Mitternacht und vor den Gaststätten bilden sich Schlangen. Es ist taghell, die Sonne geht gerade unter!

Nein, alt wurden die Leute zu Goldgräberzeiten nicht. Trotzdem achtete man damals streng auf Standesunterschiede. Dawson war damals größer und reicher als San Franzisko. Von dort kamen die meisten Goldsucher. So gab es hier schon früh Elektrizität und Telegraf, anders als in den Weiten ringsum. In Kanada kam zuerst die Polizei, dann die Siedler. In den USA war es andersherum. Am Haus von Jack London fahren wir nicht vorbei. Es ist Touristen-Nepp. Die Hälfte des Hauses, das hierher aus den Bergen gebracht wurde steht in San Franzisko, seinem Geburtsort.

Es geht zum Bonanza Creek. Was wir hier sehen übersteigt jede Vorstellungskraft. Das gesamte Flussbett ist in Claims unterteilt. Jeder Claim ist 200 m (500 ft) Breit und 700 m (2000 ft) lang. Weil abseits der Straßen das Gold bereits maschinell gewaschen wurde holt man die Erde aus 10 m Tiefe vom Fluss und wäscht alles aus. Hier ist ja sowieso die Natur zerstört und so kommt Abfall zu Abfall. Dabei ist man oft unterhalb des Permafrostbodens. Bis zu 30 g je Tonne Abraum sind möglich, aber 5-8 g sind realistisch. Freizeitgoldsucher, die es hier viele gibt, sind nicht gut auf Parker Schnabel und die anderen Helden aus dem TV zu sprechen. Sie machen dank der Unterstützung von Volvo alle Claims kaputt und kaufen sie billig auf. Die ganze Gegend mutet bizarr oder pittoresk an.

Danach Kneipenbummel. Natürlich müssen wir den Geck des Yukon trinken. Ein verfaulter Zeh befindet sich in einem Glas Schnaps der eigenen Wahl. Man muss das Glas austrinken, ohne dass der Zeh die Lippen oder was auch immer berührt. Begutachtet wird alles von einem „deutschen Kapitän“. Natürlich darf man nicht gewinnen, denn sonst bekommt man 25 000 Dollar! Aber man bekommt trotzdem eine Urkunde. Es ist wieder taghell und Mitternacht.

Wir verlassen Dawson City, die Stadt von der ich seit den Jugendbüchern von Jack London geträumt habe. Die legendäre Verfilmung von 1977 reißt noch heute jeden mit etwas Fantasie vom Hocker. Wir machen einen Abstecher in die Tundra und fahren dazu 100 km den Demster Highway. Der Boden taut im Sommer nur 20 cm bis maximal 50 cm auf. Deshalb können Bäume nicht wachsen. Wir überqueren kurz die Wasserscheide in 1200 m Höhe um anschließend auf den Klondike-Highway in 4-600 m Höhe zurückzukehren. Nach einem Abstecher auf dem Silver Highway fahren wir den zumeist asphaltierten Chambell Highway nach Watson City. Danach geht es ruhig nach Edmonton zurück.

Wikipedia sagt, dass es zirka 700 von der kanadischen Regierung anerkannte Triebes bzw. Nation gäbe. Die Zahl der Gruppen schwankt zwischen einer Handvoll und mehreren 10-tausend Personen. Anders als im benachbarten Süden hat Kanada keine Ausrottung betrieben, sondern immer mit mehr oder weniger staatlichen Mitteln eine Assimilation, entsprechend dem jeweiligen Zeitgeist, vorangetrieben.

Heute sind die Reservate total eigenständig verwaltet. Förderprogramme unterstützen die Dorfentwicklung in den Reservaten. Kultureinrichtungen wie z.B. Tanzplätze werden dabei besonders gefördert. Im Jagdrecht und beim Fischfang werden Ausnahmen für Indianer gemacht. Viehzucht, insbesondere naturnahe Büffelzucht durch Indianer, wird gefördert. Es gibt eigene Krankenhäuser und Erholungseinrichtungen, die sich in Reservaten befinden und traditionell arbeiten. Alkoholismus und Drogenkonsum sind weit verbreitet. Die Therapieeinrichtungen sind für unsere Verhältnisse zeitgemäß, entsprechen aber keineswegs den Bedürfnissen dieser Menschen. Die Schulen sind für alle Kinder gleich, aber es gibt keine Zwangseinweisungen in Internate mehr. Gesonderte Lehrpläne gibt es nur in den Grundschulen.

Bei den unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb einer Gruppe kommt es auch zu Kriminalität untereinander. Das „herausgerissen-sein“ hat dazu geführt, dass viele junge Menschen einen entwurzelten Lebensstil entwickelt haben. Davon bekommt man als Tourist aber wenig mit.

Bei allen Anlässen werden Vertreter der Gruppen zur Teilnahme aufgefordert. Traditionelle Tänze und Darbietungen gehören zum integralen Bestandteil einer jeden regionalen oder überregionalen Veranstaltung. Sicher, es ist für uns ungewohnt und wirkt manchmal ein wenig wie eine Vorführung. Andererseits ist es eine der wenigen Möglichkeiten sich darzustellen. Aber auch künstlerische Arbeiten und Ausstellungen junger Kunstschaffender werden gerne gezeigt. In keinem Moment habe ich irgendeine Form der Abwertung bemerkt. Im Gegenteil: es macht sich die Erkenntnis unter den Siedlern breit, dass man den Indianern das Land weggenommen hat und nun ein Äquivalent mit Zinsen zurückgeben muss.

Also los: 10 Tage Freizeit mit dem Auto. In Jasper ist das Groß-Feuer bereits im Ort und die Nationalstraße ist seit Tagen voll gesperrt. Diesen Teil werde ich also nicht zu sehen bekommen. Der Banff-Nationalpark wurde 1885 gegründet und war der erste Nationalpark Kanadas. Mit seinen 6641 km² Fläche gehört er zu den größeren Nationalparks in den kanadischen Rocky Mountains. Hier ist der Konflikt zwischen Naturschutz und Massentourismus am deutlichsten. Jährlich besuchen 20 % aller Touristen Kanadas diesen Nationalpark, etwa 4 Millionen Besucher. Dabei konzentriert sich der Besucheransturm auf wenige Punkte und auf die sommerliche Ferienzeit. Aber auch der Wintertourismus hat in dem Gebiet zugenommen, denn es wird zunehmend als Skigebiet erschlossen. Gerade zu dieser Zeit ist das Haupttal aber für viele Tiere wichtiger Rückzugsraum. Das Parkmanagement versucht wildtiergerechte Lösungen zu den finden, jedoch nimmt jährlich der touristische Nutzungsdruck zu. Unterkünfte finde ich in Wanderheimen, Jugendherbergen, kleinen Hotels und in einem Privatquartier. Normale 3-4 Sterne-Hotels sind selbst für meinen Geldbeutel etwas zu hochpreisig, und das ist noch untertrieben!

Neben dem Besuch des Mormonentempels ist der absolute Höhepunkt sicher der Besuch in einer Hutterer-Siedlung. Mir schwirrt immer noch der Kopf von den vielen Zahlen und der absoluten Sauberkeit (wobei: ich habe keinen schmutzigen Hof in Kanada gesehen!). 

Glücklich und zufrieden komme ich wieder in Edmonton an und bereite mich auf das nächste Abenteuer (diesmal zu Hause!) vor. Die Rückreise verläuft plangemäß. Kurze Zeit nach meiner Ankunft spüre ich das Verlangen, wieder zurückfahren zu wollen!

 

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